Wieder war die Resonanz riesengroß, als gefragt wurde, ob wir wieder einen Rodelausflug machen wollen. Es hatte sogar den Anschein, dass wir nicht genug Fahrgelegenheiten auftreiben konnten, damit Mann/Frau und Schlitten untergebracht werden konnten. Doch dann kam alles anders. Am Tag zuvor war ein großer Faschingsball, so dass einige nicht aus den Federn kamen und ihren Kater ausschlafen mußten. Schade eigentlich. Andere entschieden sich kurzfristig um. Schade eigentlich. Wieder andere wurden krank. Schade eigentlich. Auch alle kurzfristigen Anrufe konnte die Personenzahl nicht mehr erhöhen. So waren am Ende nur noch Ruth Gille, Karin Glas, Veronika Resch, Joachim Loy, Andreas Glas, Florian Pitzl, Christian Kern und Jürgen Hartmann übrig geblieben. Wir hätten jetzt sogar fast mehr Autos als Personen gehabt.

Wir ließen uns aber den Spaß nicht nehmen und starteten frohen Mutes in die Berge. Schon nach wenigen Kilometern konnten wir die Berge sehen, da wir wunderbares Föhnwetter hatten.
Ein traumhafter Sonnenaufgang begleitete unsere Fahrt in Richtung Pürschling. Das war nämlich unser Ziel: der Pürschling. Als wir endlich ankamen, konnten wir nicht schnell genug aus den Fahrzeugen klettern und uns startklar machen. Jeder wollte der Erste sein. Laut unserem „Reiseführer“ hatten wir einen Aufstieg von zweieinhalb bis drei Stunden vor uns. Wie aus den Fotos zu ersehen ist, durchquerten wir wunderschöne Natur und wir genossen das traumhafte Wetter.
Nach ca. eineinhalb Stunden kamen wir an eine Kapelle und hatten zum ersten mal den Blick auf unser Ziel, den Pürschling, frei. Das Ziel schien greifbar nah zu sein. Eine kurze Pause hatten wir uns verdient. Das Gelände wurde jedoch nach einer Weile immer steiler und steiler. Unsere Mädels machten zuerst schlapp. Nach einigen Aufmunterungen konnten wir Männer sie jedoch zum weitergehen animieren. Dann plötzlich, nach einer Biegung, schlug uns plötzlich eiskalter Wind ins Gesicht und der aufgewirbelte Schnee fühlte sich an wie kleine Stichwunden, die auf derganzen Haut schmerzten. Nun war es mit der Moral vorbei. Unsere Mädels boykottierten den weiteren Aufstieg und die männliche Gilde war insgeheim froh darüber und konnten so ihr Gesicht waren (denn eigentlich wollten sie auch nicht mehr weiter). Kurzum: wir kehrten um und kamen nun endlich zum eigentlichen Höhepunkt unseres Ausflugs. Wir RODELTEN ins Tal. Nun hatte sich der Aufstieg doch noch gelohnt. An der Kapelle wieder angekommen, stoppten wir unsere rasante Schlittenfahrt und machten erst mal Brotzeit. Da auf unseren Brösl wie immer Verlaß ist, hatte er natürlich einige Flaschen Weißbier dabei, das noch nie so gut geschmeckt hat wie in diesem Moment. Frisch gestärkt und die Akkus wieder aufgeladen gings dann weiter. Unsere jungen Begleiter, Andreas und Joachim, bildeten die Vorhut und wollten auf uns Alte nicht warten. Tja, das war ein Fehler. Sie hatten übersehen, dass wir bei der Abfahrt einen anderen Weg nehmen wollten, als wir beim Aufstieg benutzten. So mußten sie eine flache Ebene zu Fuß zurücklegen, während die anderen die Abzweigung nahmen und so unendlich viel Spaß beim rodeln hatten. Unten an der Stelle angekommen, wo sich die Wege wieder vereinten warteten wir auf unsere Ausreißer. Nach 10 Minuten kamen sie dann auch schon angefahren und staunten nicht schlecht: „Wo habt ihr uns denn überholt?“ Wir ließen sie vorerst noch im Dunkeln. Nun ging es wieder gemeinsam weiter. Als wir am frühen Nachmittag wieder am Parkplatz ankamen, hatten wir so richtig Hunger. Also suchten wir uns in Oberammergau eine gemütliche Wirtschaft und ließen es uns erst mal so richtig gut gehen. Der Tag klang so langsam aus und wir machten uns wieder auf den Heimweg. Wir schworen uns aber, dass wir nächstes Jahr wieder auf Tour gehen wollten.

© Jürgen Hartmann
Februar 2004

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